An der Mitgliederversammlung der SP Winterthur wurde bei den Vorlagen zum Campingplatz Schützenweiher trotz breitem Widerstand einmal die Ja-Parole und einmal die Stimmfreigabe beschlossen. Die SP Winterthur macht sich dadurch zur Komplizin für die Vertreibung von über 50 Dauercamper*innen und Besetzer*innen aus ihrem Wohnraum am Schützenweiher. Die JUSO Winterthur verurteilt dies aufs Schärfste und steht weiterhin ein für die IG Camping, im Gegensatz zur SP Winterthur.
Am Dienstag, 19. Mai, fand die Mitgliederversammlung der SP Winterthur statt. Die Parolenfassung zu den beiden Vorlagen, die den Campingplatz Schützenweiher betreffen, war dabei der am stärksten erwartete Punkt. Roman Hugentobler, Teil der IG Camping und der AL, erklärte die Argumente gegen den Neubau und die Zufahrtsverlegung. In der Diskussion setzten sich Mitglieder der JUSO Winterthur mit Wortmeldungen dafür ein, dass der Wohnraum der über 50 Dauercamper*innen und der Besetzer*innen des Kollektivs Wagenplatz Frostschutz erhalten bleibt. Die Folgen einer Annahme der beiden Vorlagen wären für die betroffenen Menschen verheerend. Die Bewohner*innen, welche zum Teil schon länger als zehn Jahre beim Schützenweiher leben, würden ohne Hilfe bei der Suche nach einem neuen Wohnort vertrieben werden. Ausserdem wäre ein vom TCS geführter Campingplatz mit bis zu verdreifachten Preisen für die meisten Menschen nicht bezahlbar.
Die SP stellte sich im Wahlkampf als Partei dar, die für bezahlbaren Wohnraum kämpft. Laut dem Positionspapier Wohnen in Winterthur will die SP Winterthur eine Stadt, in der alle ein Zuhause finden (S. 3, Im Quartier zuhause). Darin hebt sie mehrmals hervor, dass sie alternativen Wohnraum fördern wollen (S. 6, Gemeinschaftliche und alternative Wohnformen; S. 6, Forderung 9). Dass sie sich in diesem Fall gegen die Personen stellt, welche ihren Wohnraum behalten wollen, zeigt, dass diese Aussagen nicht stimmen. An der Mitgliederversammlung gaben einige Anwesende, darunter Kaspar Bopp, ehemaliger Stadtpräsidentskandidat, zu, dass für sie die Lebensrealität der Menschen weniger wichtig ist als die Zonenplanung der Stadt Winterthur. Für sie war eine weitere Duldung des Dauercampens nicht vorstellbar und eine Umzonung zu viel Aufwand.
Bei der Abstimmung zur Parolenfassung wurde beim Neubau des Campingplatzes extrem knapp die Stimmfreigabe beschlossen und bei der Verlegung der Zufahrt die Ja-Parole gefasst. Trotz Widerstand der JUSO gab es keine Mehrheit gegen die Vorlagen. Aus Protest verliessen über 20 anwesende Mitglieder der JUSO daraufhin die Versammlung. Die JUSO Winterthur stellt sich gegen den Angriff der SP auf die Seite der Bewohner*innen des Campingplatzes. Im auf Instagram veröffentlichten Beitrag sagt ein Mitglied klar: „Wir als JUSO Winterthur verurteilen dies und ermutigen euch, zweimal Nein zu stimmen am 14. Juli“.